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65 Jahre Verband der Siebenbürger Sachsen in OÖ.

„Denn wenn etwas gelingt, dann immer nur durch Liebe, eine Liebeserklärung an die Heimat, an die noch spürbare Gemeinschaft und an das Leben, das so wunderbare Schicksalsfäden spinnt“.

Diese Worte vom Bischof der evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Reinhard Guib, bei der Kirchturmweihe 2016 in Obereidisch/Siebenbürgen, prägten die Vorbereitungen zum 65. Jahrjubiläum und trugen zum Gelingen dieser Veranstaltung bei, zu der unser Verband am 20. Oktober in den Kultursaal Seewalchen a. Attersee eingeladen hatte. Eingebettet mit der Ausstellung der Siebenbürgischen Kirchenburgen, welche uns von der Stiftung Kirchenburgen zur Verfügung gestellt wurde, lud der Kultursaal, mit der Dekoration herbstlich eingestimmt, zur Festveranstaltung ein. Ein Jubiläum zu feiern ist verbunden mit Rückblick und Inne zu halten, Erinnerungen werden wach und es bedeutet, dankbar zu sein für das, was geschaffen wurde. So stand das Gründungsjubiläum unter dem Motto „Erinnerung prägt Zukunft, Integration schafft Wurzeln“. Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich darf auf 65 Jahre zurückblicken.

Seit dem 3. Dezember 1953 vereinsrechtlich als „Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen“ organisiert, haben die Siebenbürger in Oberösterreich das sie kennzeichnende Gemeinschaftsleben in anfangs 22 (heute 8) lokalen Nachbarschaften gelebt und viel von ihrem reichen, bäuerlichen Brauchtum trotz aller widrigen Lebensumstände erhalten. Ehemalige dörfliche Feste (Kirchweihfest, Kathreinball, Kronenfest und ähnliches) werden bis auf den heutigen Tag nach altem Brauch ausgeübt. Seit 1948 nehmen die Trachtengruppen, Musikkapellen und Volkstanzgruppen der Siebenbürger Sachsen an zahllosen Brauchtumsveranstaltungen in Oberösterreich teil und erwarben sich in den brauchtumstreuen Kreisen des Bundeslandes viel Anerkennung. Neben all diesem gelebten Brauchtum und der Bewahrung der alten Traditionen wurde von den Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich und auch in den anderen Bundesländern die „Alte Heimat“ Siebenbürgen nicht vergessen, unzählige Hilfsfahrten, um die zurückgebliebenen Landsleute zu unterstützen, wurden in den letzten Jahrzehnten organisiert und durchgeführt. Heimattage in Wels - seit 11. Juli 1963 Patenstadt aller in Oberösterreich sesshaft gewordenen Heimatvertriebenen – und den seit 2008 jährlich stattfindenden Erinnerungstag sollen auch nach Jahrzehnten die Brücke zwischen der „Alten Heimat“ und der „Neuen Heimat“ in Oberösterreich bilden.

Die gute Zusammenarbeit mit anderen Verbänden wie dem Blasmusikverband, dem Landesverband der Heimat- und Trachtenvereine in OÖ., dem Bund der Trachtenverbände, der Landlerhilfe „Eine Welt“ in OÖ., mit dem Land Oberösterreich und dem Forum Volkskultur (Dachorganisation aller Verbände in OÖ.), dessen 25. Mitglied unser Verband 2017 wurde, ist dem Verband ein Anliegen. Die Liste möge sich noch lange fortsetzen, aber es sind vor allem die siebenbürgischen Nachbarschaften und Vereine, die mit ihrem Traditionsbewusstsein und dem Gemeinschaftssinn beitragen, dass der Verband auch noch nach 65 Jahren positiv in die Zukunft blicken kann und die Wurzeln, dem Motto entsprechend, fest verankert sind. Rückblickend dankbar müssen wir den damaligen Verantwortlichen sein, die dies alles in die Wege geleitet haben, damit der Landesverband in Oberösterreich integriert wurde, dass die Siebenbürger Sachsen „angenommen“ wurden und schlussendlich „angekommen“ sind. Dem Granit unseres Verbandes, nämlich Ehrenbundesobmann Kons. Dr. Fritz Frank, ist es zu verdanken, dass er mit seinen damaligen Gefolgsleuten den Weg ebnete. Mit unermüdlichem Einsatz für die Landsleute ist es seinerzeit gelungen, Hindernisse wegzuräumen und den Grundstein für die folgenden Generationen zu legen. Dafür sind wir dankbar.

Landesobmann Kons. Manfred Schuller konnte am 20. Oktober viele Ehrengäste begrüßen. Es war eine wahre Freude, wie viele sich eingefunden haben, um an diesem Jubiläum teilzuhaben. Allen voran der Bürgermeister und Hausherr von Seewalchen a. A., Mag. Johann Reiter, der uns herzlich willkommen hieß.
Den weitesten Weg nahm eine Abordnung aus Siebenbürgen mit Frau Bürgermeister Maria Precup (mit ihrem Gatten) an der Spitze auf sich. Weiters dabei waren Stadtpfarrer Johann Zey (mit Gattin), Heinz Peter Schueller (mit Gattin), welcher auch als Dolmetscher fungierte sowie die Tanzgruppe “Goldregen“ aus Sächsisch Regen, unter der Leitung des Deutschen Forums, Robert Zajzon, die die Veranstaltung mit ihren Tänzen bereicherte. In ihren Grußworten betonte Frau Bürgermeisterin Precup aus Sächsisch Regen die gute Freundschaft und Zusammenarbeit mit uns Siebenbürger Sachsen. Wir sind in Sächsisch Regen gern gesehene Gäste. Als Zeichen der Verbundenheit durfte Landesobmann Manfred Schuller eine Ehrenurkunde entgegennehmen, dies tat er im Namen aller Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich sehr gerne. Die Stadt Sächsisch Regen und das Land Oberösterreich sind zwar kilometermäßig weit auseinander, doch Freundschaft bleibt, ist sie noch so weit entfernt, das bestätigte sich wieder einmal.
Die Grußworte von Stadtpfarrer Johann Zey, welche die Handschrift von unserem lieben Bischof Reinhard Guib trugen, standen im Zeichen von drei prägnanten Punkten. „Stark im Glauben, Deutsch im Wort, Treu der Heimat, immerfort“. Dass dieser Leitspruch gänzlich auf uns Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich zutrifft, betonte Stadtpfarrer Zey in seinen Worten, die aus vollem Herzen kamen und sehr berührten. Er verwies auf die gute Zusammenarbeit mit dem Reener Ländchen, der Evangelischen Kirchengemeinde und dem Deutschen Forum, vor allem, dass uns der Segen Gottes in den letzten 65 Jahren gewiss war und wir alle, die wir hier in der Gemeinschaft leben, den sächsischen Brauch in all seinen Facetten hochgehalten und gepflegt haben. Als Zeichen der tiefen Freundschaft übergab er an Landesobmann Manfred Schuller ebenfalls ein Andenken, welches an dieses Jubiläum erinnern sollte.

Auch die Obleute der Verbände hier in OÖ., bei denen unser Verband Mitglied ist, huldigten in ihren Grußworten die jahrzehntelange Arbeit der Siebenbürger, es sei vor allem auch die Vielfalt der Trachten, die sich hervorheben und das Wesen der Siebenbürger, ihr Traditionsbewusstsein, ihre mitgebrachte Kultur, die sie in der Kulturlandschaft OÖ. stets aufs Neue unter Beweis stellen.
Souverän führte Frau Dr. Mag. Sandra Galatz durch diesen Jubiläumsnachmittag. Diese, selber stark verbunden mit der Oberösterreichischen Volkskultur, leitete von einem Programmpunkt zum anderen über. Einer davon war der Bilderrückblick von unserem Landesobmann, der 65 Jahre Revue passieren ließ. Aufgelockert mit Tänzen der Tanzgruppe aus Sächsisch Regen, den Musikeinlagen der „Vöcklabrucker Spielleut“ ging es über zum Festvortrag von Univ. Prof. Dr. Paul Jürgen Porr über, der eigens angereist war. In seinem Vortrag über die Situation vor 100 Jahren in Siebenbürgen (1918-2018) ging er in die tief in die Vergangenheit Siebenbürgens zurück, als Geza II. im 12. Jahrhundert Szekler und Sachsen in Siebenbürgen ansiedelte. Der Zerfall der Donaumonarchie 1918, die damaligen politischen Umstände, denen sich die Sachsen stets anpassen mussten bis hin zum Umsturz 1989. Abgerundet durch die Festansprache der Vizepräsidentin des Forum Volkskultur in OÖ., Kons. Christine Huber, die in ihrer Ansprache auf das Traditionsbewusstsein der Siebenbürger Sachsen einging, endete die Jubiläumsveranstaltung mit dem Singen des Siebenbürgenliedes und der Oberösterreichischen Landeshymne, dem „Hoamatland“. Anschließend lud der Verband zum Herbstball mit der Siebenbürger Blasmusik Munderfing. Die Volkstanzgruppen Vöcklabruck, Traun und Wels sowie „Goldregen“ aus Sächsisch Regen verschönerten den Abend mit ihren Tänzen.

Der am Sonntag darauf stattfindende Gottesdienst in der Evang. Pfarrkirche Vöcklabruck mit Superintendent Dr. Gerold Lehner und der anschließende Kirchenkaffee mit Aufführungen der Tanzgruppe aus Siebenbürgen gaben diesem 65. Jahrjubiläum noch einen würdevollen Ausklang.

„65 Jahre Landesverband“ in ein paar Stunden Revue passieren zu lassen, schier unmöglich.
Es ist jedoch gelungen, wichtige Stationen aufzuzeigen und hervorzuheben. Der Verband geht in der 3. Generation in eine Zukunft, der neue Herausforderungen gestellt sind. Die Vorarbeit der Erlebnisgeneration hat ihren Beitrag dazu geleistet, die Weichen wurden 1953 gestellt und wir alle sind gefordert, dies aufrecht zu halten, denn nach 65 Jahren ist es nicht vorbei, sondern es geht erst los.

Abschließend sei allen gedankt, die zum Gelingen dieser Jubiläumsveranstaltung beigetragen haben.
Es soll uns noch lange in Erinnerung bleiben, denn dies prägt die Zukunft.

Ingrid Schuller

 

Fotos zur Veranstaltung am Samstag können in unserer Fotogalerie bzw. unter folgendem Link betrachtet werden:65 Jahres Landesverband (Fotos: DI Franz Peter Seiler)

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