Herzlich willkommen

auf der Webseite des Landesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich.

 Facebook

facebook

Besuche uns auch auf unserer Facebook-Seite.

Fotogalerie

Hier geht's zu unserer Fotogalerie.

 Büchershop

Hier geht's zu unserem Büchershop.

 Kalender

Calendar 256

Hier geht's zu unserem Kalender.

Nachruf auf Dr. Jost Linkner, * 9.7.1924 in Bistritz - + 17.5.2019 in Wels

Parte Dr Linkner

Wir trauern um unser Vereinsmitglied Kons. Dr. Jost Linkner, der am 17. Mai im Kreis seiner Familie im 95. Lebensjahr verstorben ist. Er war verdientes Mitglied der Welser Nachbarschaft, Beirat im Siebenbürgischen Landesverband von Oberösterreich und vor allem „Chronist der Nordsiebenbürger Sachsen in Österreich“. Als der war er Konsulent der Oberösterreichischen Landesregierung sowie Träger der Kulturmedaille in Gold der Stadt Wels, des Goldenen Ehrenzeichens der Siebenbürger Sachsen in Österreich und der „Pro Meritis“ Verdienstmedaille der Siebenbürger Sachsen in Deutschland.

 Jost Linkner wurde in eine traditionsreiche, altösterreichische Bistritzer Arztfamilie geboren – sein Vater Dr. Georg Linkner war ein angesehener praktischer Arzt, unter anderem in Wien ausgebildet, seine Mutter Helga, geborene Bresztovszky, vermittelte den weiten Horizont einer alten österreichischen Offiziersfamilie.

Jost besuchte wie seine Schwester Hanneliese das deutsche Gymnasium seiner Heimatstadt, als sportlicher Jugendlicher war er auch im Coetus, in der Blasia und in der Jugendbewegung jener Zeit aktiv. Nach der Kriegsmatura 1942 wurde er zum Wehrdienst einberufen und meldete sich zur Sanitätslaufbahn. Nach Kriegsende in Jugoslawien in Gefangenschaft serbischer Partisanen wurde er ebenfalls als Sanitäter eingesetzt, beendete diese nach 10 Monaten durch abenteuerliche Flucht zu Verwandten nach Wien.

Es folgten hier das Studium der Medizin, Turnus und Ausbildungsjahre zum Facharzt der Gynäkologie sowie – in seinen Worten – „vier Wander- und Lehrjahre in der Schweiz, Deutschland und eine Reise als Schiffsarzt mit der »Hamburg-Süd« nach Südamerika.“

„Mit dem Bedürfnis, nun doch einmal eine Familie zu gründen“, kehrte er mit 39 Jahren nach Österreich zurück und landete in Wels, wo er ab 1963 Assistent an der Landesfrauenklinik wurde und 1966 seine eigene Facharztpraxis eröffnete, welche er bis zur Pensionierung 1993 betrieb. 1965 heiratete er seine Frau Edda, geb. Huber, Lehrerin und Musikpädagogin, ihrer Ehe entsprangen ein Sohn und zwei Töchter.

Ab 1980 begann Jost Linkner, sich mit der Geschichte und Heimatkunde seiner Heimat in und um Bistritz intensiv zu befassen – er steuerte damals mehrere Texte zu Ernst Wagners erstem Band der „Beiträge zur Geschichte der Stadt Bistritz in Siebenbürgen“ bei. Es folgten weitere Veröffentlichungen in dieser Reihe. Ab 1984 bis 1998 kümmerte er sich auch um die österreichischen Mitglieder seiner Heimatortsgemeinschaft und wurde zum österreichischen Delegierten im Siebenbürgischen Stiftungsrat und Kulturrat.

Als eifriger Sammler alter Ansichtskarten baute er eine viel beachtete Dokumentation der Geschichte des österreichischen Postwesens in Siebenbürgen auf. Auf der Grundlage seiner Sammlung gestaltete er im Rahmen des Siebenbürgischen Heimattags in Wels 1991 eine dreitägige Ausstellung im Burgmuseum mit dem Titel „300 Jahre österreichische Post in Siebenbürgen: 1691-1867“. Dazu wurde in der Welser Burg auch ein temporäres Sonderpostamt eingerichtet und ein Sonderstempel aufgelegt.

Endgültig zum „Nordsiebenbürgischen Chronisten in Österreich“ wurde Jost Linkner durch seinen Einsatz um die Erstellung von Heimatbüchern der nordsiebenbürgisch-sächsischen Gemeinden. Neun Ortsmonographien mit über 2500 Seiten und 1000 Fotos über Pintak bei Bistritz, Weisskirch bei Bistritz, Auen-Kuschma, Ungersdorf, Ludwigsdorf, Moritzdorf, Ober-Eidisch, Niederwallendorf und Passbusch gehen auf seine Autoren-, Mitautoren- oder Herausgeberschaft zurück, bei mindestens sieben weiteren Heimatbüchern vermittelte er wichtige Informationen, beriet die Autoren und machte ihnen Mut, sich dieser Aufgabe zu stellen. Sein Forschergeist ließ ihn dabei zahllose Aussagen von Zeitzeugen aus diesen Dörfern sammeln, Einblick in Grund- und Kirchenbücher nehmen, Gemarkungs- und Besitzverhältnisse rekonstruieren und alte Flurnamen erfassen. Vor allem auch seine sprachlichen Fähigkeiten öffneten ihm dafür Archive in Wien, Budapest und Bistritz.

„Neben den historischen, oft nüchternen Fakten hat er so auch „die noch lebendige Erinnerung an die alte Heimat, das einstige nachbarschaftliche und kirchliche Leben und den Alltag überliefert. Seine Bücher bemühen sich dabei um Objektivität, versuchen nicht zu verklären, sondern wollen erinnern, vergegenwärtigen, informieren, sie verweilen nicht im Episch-Wissenschaftlich-Nüchternen, sondern atmen die Lebendigkeit des Gelebten und noch in uns Fortlebenden“, so HR Pfr. Mag. Volker Petri in seiner Laudatio zur Verleihung der „Pro Meritis“ Verdienstmedaille an Jost Linkner beim Siebenbürgischen Heimattag 2013 in Dinkelsbühl.

Diese Ehrung erfolgte als letzte in einer Reihe von Würdigungen Linkners für sein ehrenamtliches Wirken als Chronist – die Liste seiner siebenbürgischen Textbeiträge, Bücher und Vorträge umfasst bis 2013 beachtliche 69 Titel, weitere unvollendete Arbeiten befinden sich noch in seinem Nachlass. Bereits 1996 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen der Siebenbürger Sachsen in Österreich verliehen, am 16. Dezember 1998 wurde er von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer zum Konsulenten für Brauchtum und Heimatpflege der Oberösterreichischen Landesregierung ernannt. Er war Träger der Kulturmedaille in Gold der Stadt Wels und fungierte noch bis Anfang 2019 als Beirat des Siebenbürgischen Landesverbandes in Oberösterreich.

Mit der Welser Nachbarschaft verband Jost Linkner ein über seine Vereinsmitgliedschaft hinausgehendes enges Verhältnis. Gemäß seiner Persönlichkeit, die von seinen Freunden und Zeitgenossen als zurückhaltend und introvertiert, geprägt von besonderer Sensibilität, Vertrauenswürdigkeit und Einfühlungsvermögen beschrieben und geschätzt wurde, wollte er nicht in der Öffentlichkeit stehen oder Ämter in der Vereinsleitung bekleiden. Er nahm aber regen Anteil an den Veranstaltungen seiner Welser Siebenbürgischen Gemeinde, war oft einer der ersten Gäste beim Welser Kronenfest, wo er seine Baumstriezel lieber kaufte, wenn der Andrang und Trubel noch nicht so groß waren, und war bis zuletzt ein regelmäßiger Besucher im Vereinsbüro im Brauchtumszentrum Herminenhof, vor allem – bis zu dessen Tod 2011 – bei seinem guten Freund Nachbarvater Fritz Teutsch, danach auch weiterhin bei dessen Schwester, Vereinssekretärin Traute Teutsch. Auch das Wirken der Welser Volkstanzgruppe verfolgte und förderte er mit Interesse, die Tänzerinnen und Tänzer stellten sich dafür wiederholt mit Auftritten bei ihm ein, so zuletzt anlässlich der Feier seines 90. Geburtstages im Juli 2014.

Die Beisetzung von Dr. Jost Linkner fand am 07. Juni, auch unter Anteilnahme mehrerer Trachtenträger der Welser Nachbarschaft und Tanzgruppe und Vertreter der HOG Bistritz-Nösen, auf dem Welser Stadtfriedhof statt – zur gleichen Zeit erklang das Glockengeläut am Turm der Stadtpfarrkirche seiner Heimatstadt Bistritz zu seinem Andenken.

Dr. Christian Schuster,

unter Verwendung von persönlichen Informationen von Dr. Jost und Edda Linkner sowie Texten von Dr. Fritz Frank in der Siebenbürgischen Zeitung 1994 und 2004 sowie einem Bericht zum Siebenbürgischen Heimattag 2013 ebendort.

Tanzgruppen