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Siebenbürgischer Osterbrauch "Das Begießen"

Brauchtum der Siebenbürger Sachsen im Jahreslauf - Ostern

Alte Bräuche bewahren, Traditionen pflegen!

Wenn der Fasching mit dem Aschermittwoch ausgeklungen ist, begann einst in Siebenbürgen die Fastenzeit, deren Regeln sehr genau bis Ostern eingehalten wurden. Es schloss sich die „stille“ Karwoche an, in der aller Lärm (neben Holzhacken vor allem das „Bleueln“, das Waschen mit dem Schlägel am Fluss) vermieden werden sollte. Ostern war wie zu Pfingsten und Weihnachten ein dreitägiges Fest mit je zwei Gottesdiensten an den zwei ersten und einem Frühgottesdienst am dritten Tag. Der erste Ostertag wurde eher still im engeren Kreis der Familie gefeiert, während es an den beiden anderen Tagen fröhlich, laut und gesellig zuging. Die Vorbereitungen dazu hatten freilich schon viel früher begonnen.

Und so war es auch einst eine Zeit voll Hektik und Arbeit, besonders die Frauen hatten viel zu tun mit Waschen, Putzen, Backen und Kochen, hieß es doch die Fastenzeit zu beenden. Eine der beliebtesten Tätigkeiten war das „Gelfen“ der Eier (mhd. gel=bunt, also färben). Die vielen, rotgefärbten Eier gehen dabei auf die Überlieferung zurück, dass die Hennen am Karfreitag aus Schmerz über den Tod Christi blutige Eier gelegt hätten.

Zum Rotfärben der Eier verwendete die sächsische Bäuerin früher rote Späne, zum Grünfärben Küchenschelle und Zwiebelschalen zum Braunfärben, letzteres hat sich bis heute gehalten. Auch die „geschriebenen Eier“ waren Kunstwerke, das mancherorts ausgeführt wurde. Heißes Wachs auf gekochte Eier, anschließend wurde gefärbt und so wurden die geschriebenen Zeichnungen sichtbar. Mancherorts hatte eine Frau viele solcher Eier zu beschreiben, denn es war üblich, die nicht konfirmierten Patenkinder am 2. Ostertag nach dem Hauptgottesdienst mit einem Ei zu beschenken.

Nicht ganz so einfach liest sich auch die einst verwendete Methode, wie man die Eier verzierte. Eine ganz besondere Fertigkeit wurde dazu entwickelt: Die Frauen bastelten ihr Schreibwerkzeug selbst, indem sie dünnes Messingblech um eine Nähnadel zu einem sehr dünnen Röhrchen drehten. Durch dieses „Flitterchi“ zogen sie ein Pferdeschwanzhaar oder eine elastische Schweinsborste und befestigten das Röhrchen an einem dünnen Tannenholzstäbchen. Das abstehende Ende des Röhrchens wurde in heißes Wachs getaucht, wobei das Tierhaar ähnlich einer kleinen Pumpe das ständige Herausfließen von Wachs gewährleistete und schon konnte man schreiben.

Diesen alten Brauch des Eierverzierens hat die Siebenbürger Nachbarschaft Rosenau wieder aufgenommen (siehe Fotos) und übermittelt dies an die Jugend und Interessierte an einem Nachmittag vor Ostern weiter.

2018 Eier faerben 6

2017 Ostereier 2

Schöne Mädchen zu begießen

ist des Knaben Freudentag,

darum woll´n wir Dich (Euch) begießen,

heut´ am zweiten Ostertag.

Am Morgen des 2. Ostertages pflegten die Männer und Burschen einen lustigen Brauch, der sich bis heute gehalten hat und den die siebenbürgischen Tanzgruppen noch gerne in den eigenen Reihen aufrecht halten. Mit wohlriechenden Duftwässerchen ausgestattet wie Parfüms, Rosenwasser, Kölnisch Wasser und manch zusammengemixter Tinktur, ging bzw. geht es zu den Häusern mit Mädchen und sagt einen Spruch auf:

„Wir haben gehört,

ihr habt einen schönen Rosmarinbaum,

wir wollen ihn gerne beschütten, er soll sich nicht betrüben,

wie wollen ihn gerne begießen,

er soll sich nicht verdrießen,

dürfen wir euer Mädchen beschütten?“

Als Antwort sagt die Mutter oder Tante des Mädchens, dass die Burschen das oder die Mädchen begießen dürfen, damit es schön wächst. Dann bekommt jeder Bursche ein Osterei und etwas Gebäck, das Mädchen aber heftet gerne jedem „Beschidder“ (= sächs. Dialekt = „Beschütter“) ein Blumensträußchen an die Brust oder an den Hut. Auch die erwachsenen Männer lassen sich damals wie heute diesen Brauch nicht entgehen, sie bekommen ein Gläschen Schnaps oder Wein - für nicht wenige der „Beschidder“ somit ein anstrengender Tag, sollten sie viele Mädchen und Frauen „beschütten“. Am Abend fand meist in den Dörfern Siebenbürgens der Osterball der Jugend statt, auf dem sich bis in den Morgen Jung und Alt vergnügten.

Das „Bespritzen“ mit Wasser geht auf die Kraft des Wassers zurück und hat eine symbolische Bedeutung. Neben dem Feuer spielt es im Brauchtum des Jahres seit frühesten Zeiten eine große Rolle. Es hat reinigende Kraft und sollte auch das Wachstum und die Fruchtbarkeit fördern: auf diese Symbolsprache gehen ja die meisten der an die Frühjahreszeit gebundenen Volksbräuche zurück. Früher nahm man daher nur Wasser. Die Sitte mit Duftwässerchen trägt natürlich zur Heiterkeit bei, eine Mischung an verschiedenen, gemixten Düften geht auf die „Beschüttete“ über, aber so bleibt dieser Brauch lebendig, wo immer sich Landsleute zusammenfinden – und sei es nur in der Familie, in den Tanzgruppen oder im Bekanntenkreis.

In Oberösterreich wird dieser alte Brauch noch gerne in den Siebenbürgischen Tanzgruppen wie in Traun, Wels und Vöcklabruck gepflegt. Die Freude an der Gemeinschaft ist hier zu spüren, das soll so bleiben!

Text: Ingrid Schuller (Referat für Kultur und Brauchtum der Siebenbürger Sachsen)

Fotos: Lotte Pitters, Nachbarschaft Rosenau

Quelle/Literatur: "Das Dorfleben der Siebenbürger Sachsen" von Scola Acker-Sutter/Heimatbuch der Gemeinde Tschippendorf/Nordsiebenbürgen von Georg Breckner, Vorchdorf.

 

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