Leitbild

Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich

(Ehrenbundesobmann Kons. Dr. Fritz Frank)

In Oberösterreich leben heute (2011) ca. 10.000 Personen in Familien mit Ursprung in Siebenbürgen. Sie sind die Nachkommen der im Herbst 1944 vorwiegend aus Nordsiebenbürgen (d.i. das Umland der Städte Bistritz und Sächsisch-Regen, 56 Gemeinden) und aus sieben Grenzgemeinden dieses Gebietes (Felldorf, Rode, Maniersch, Draas, Zuckmantel, Zendersch und Katzendorf) evakuierten Siebenbürger Sachsen. Die in Wagenzügen (sogenannte Trecks) und Eisenbahntransporten im November/Dezember 1944 im damaligen „Reichsgau Oberdonau“ ankommenden, insgesamt ca. 40.000 Flüchtlinge wurden in über 20 Landgemeinden der Bezirke Braunau, Eferding, Gmunden, Linz, Steyr, Wels, untergebracht. Später schlossen sich aus dem Kriegsdienst entlassene Landsleute diesen Ansiedlungen an. Durch Rückführungen nach Rumänien und Übersiedlungen (vorwiegend nach Deutschland) verringerte sich bis ca. 1950 die Zahl der in Oberösterreich auf Dauer niedergelassenen Siebenbürger Sachsen auf ca. 25.000.

Die Zuzügler fanden nach dem Krieg Arbeit, vorwiegend in der Landwirtschaft, im Baugewerbe und später in den Industriebetrieben der Städte. Durch ihre Teilnahme am Aufbau des kriegszerstörten Landes, durch die Sozialkontakte des Alltagslebens, durch das Bewusstwerden ehemaliger historischer Gemeinsamkeiten zwischen Österreich und Siebenbürgen und durch Anerkennung ihres Brauchtums und ihrer Tradition kam es für die Heimatvertriebenen zu einem umfassenden Integrationsprozeß, welcher vor allem durch die Akzeptanz ihrer Volkskultur seinen Ausdruck findet.

Seit dem 3. Dezember 1953 vereinsrechtlich als „Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen“ organisiert, haben die Neubürger in Oberösterreich das sie kennzeichnende Gemeinschaftsleben in anfangs 22 (heute 13) lokalen Organisationen, sogenannte „Nachbarschaften‘“ gelebt und viel von ihrem reichen bäuerlichen Brauchtum trotz aller widrigen Lebensumstände erhalten. Familienfeste (Taufe, Konfirmation, Hochzeit) wie auch ehemalige dörfliche Feste (Kirchweih, Martinifest, Kathreinball, Kronenfest und ähnliches) werden bis auf den heutigen Tag nach altem Brauch ausgeübt. Seit 1948 nehmen die Trachtengruppen, Musikkapellen und Volkstanzgruppen der Siebenbürger Sachsen an zahllosen Brauchtumsveranstaltungen in Oberösterreich teil und erwarben sich in den brauchtumstreuen Kreisen des Bundeslandes viel Anerkennung.

Betreut wird die Brauchtums- pflege der Siebenbürger Sachsen in OÖ. von den aktiven Referaten „Frauenarbeit und Brauchtums pflege“ und „Jugendarbeit“ ihrer Landsmannschaft in Zusammenarbeit mit OÖ. Forum Volkskultur. In Arbeitstreffen und Kursen wird das Wissen um die traditionelle siebenbürgische Volkskunst, Stickerei und Keramikmalerei wachgehalten und als ein organischer Teil der OÖ. Brauchtumslandschaft gepflegt. Die brauchtumstreue Arbeit vor allem der älteren Frauen und Männer führte in Bad Hall, Schwanenstadt, Traun, Vöcklabruck und Wels, im Verbund mit lokalen Museen, zur Einrichtung von beachtlichen Schauräumen mit wertvollen Beständen von originalen siebenbürgischen Volkskunstgegenständen.

Auf der Grundlage der ehemaligen Dorfkapellen entstanden in den  Nachbarschaften Bad Hall, Traun, Vorchdorf, Laakirchen, Seewalchen-Rosenau und Munderfing beachtliche Blasmusikkapellen. Der traditionelle Volkstanz wird in den Tanzgruppen Traun, Vöcklabruck, Rosenau, Wels und Munderfing ausgeübt. Der Wunsch, eine „eigene“ Kirche zu haben, bestimmte sehr stark das Gemeindeleben der evangelischen Siebenbürger Sachsen. Unter großen Opfern, mit viel Eigenleistung und der Unterstützung des Oberkirchenrates, des Gustav Adolf-Werkes und anderer Förderer entstanden in OÖ. in den Orten ihrer Ansiedlung Kirchen und Andachtsräume:

1959 in Lenzing/Rosenau, Sierning, Vorchdorf

1960 in Mauerkirchen

1962 in Schwanenstadt

1963 in Braunau, Hochburg/Ach, Riedersbach, Mattighofen

1964 in Ried, Geinberg, Vöcklamarkt

1965 in Laakirchen, Lengau

1968 in Bad Hall

1970 in Munderfing

1980 in Timelkam

1982 in Haid

1984 in Traun (Turmbau)

Heute widmen sich die Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich in 3. Generation der Erhaltung ihres Brauchtums, ihrer schönen Trachten und ihrer Gemeinschaft. Sie genießen dabei in hohem Maß die Förderung ihrer Vereinsarbeit durch die OÖ. Landesregierung und das Vertrauen ihrer lokalen Behörden und Mitbürger.