Brauchtum der Siebenbuerger Sachsen im Jahresverlauf

Das besonders ausgeprägte Gemeinschafts- und Traditionsbewusstsein der Siebenbürger Sachsen kommt nicht nur durch die lebendige Trachtenlandschaft zum Ausdruck, sondern auch durch das gelebte Brauchtum. Die Siebenbürger Sachsen sind von großem Geschichtsbewusstsein geprägt und bemühen sich im Rahmen ihrer landsmannschaftlichen Arbeit, die traditionellen Formen ihrer Volkskultur bis heute zu bewahren. Dazu gehören vielfaltige, dem bäuerlichen Leben in der alten Heimat entspringende Bräuche und ein reiches Trachtengut. Die enge Verbindung von Tracht und Brauchtum, so wie es unsere Eltern, Großeltern und Vorfahren in ihrer alten Heimat Siebenburgen lebten, z. B. bei festlichen Anlassen wie Konfirmation, Dorffesten und Hochzeiten, die ohne Tracht undenkbar waren, sicherten das Fortbestehen der siebenbürgischen Trachten bis in die Gegenwart.

Wo diese Tradition gepflegt wird, werden heute noch in der Familie neue Trachtenstucke angefertigt und mit kunstvollen Handarbeiten verziert. Daher gibt es auch in den Bräuchen ein reiches Repertoire, die wieder von Dorf zu Dorf verschieden waren, und hier kommt es vor allem auch auf die Erlebnisgeneration an, die mit ihren Erinnerungen an die alte Heimat einen hohen Stellenwert hat.

Neujahr

Mit dem kirchlichen Leben, beginnend vom 1. Adventsonntag bis zum Ewigkeitssonntag, waren die Bauersfamilien wohl vertraut. Es war schon immer so, dass das kirchliche Leben im Mittelpunkt der Siebenbürger Sachsen stand und die weltlichen Dinge danach gereiht wurden. Zeitlich noch bis vor den Ersten Weltkrieg rankte sich um den Neujahrstag eine Fülle von Brauchen, die ein ehemals viel reicheres Brauchgeschehen erahnen lassen, war doch Neujahr ein wichtiger Lostag. Haus und Hof wurden am 31. Dezember von der ganzen Familie sauber gefegt, am Nachmittag desselben Tages wurden während des zweistündigen Vesperlautens die Obstbäume mit Bündeln von Stroh umwunden, um gute Ernte zu erzielen. In manchen Orten trat am Abend vor Neujahr der lang bärtige, mit zerrissenen Kleidern angetane und mit einem riesigen Knüppel bewaffnete „Gohrstonjel“ (sächs. Dialekt, heißt: Jahresengel) polternd und mit einer Kette rasselnd in die Stube, um unartige Kinder in seinem Sack mitzunehmen oder Brave mit Äpfeln und Nüssen zu beschenken.

In anderen Orten wiederum kannte man den Neujahrsmann bzw. die Neujahrsfrau oder das Gaben bringende „Noajorsfarkel“ (sächs. Dialekt, heißt: Neujahrsferkel). Aber allgemein üblich war das Neujahrsblasen der Musikkapelle vom Kirchturm (um Mitternacht) und das Neujahrswünschen. Ausnahmslos alle Kinder bis zum Konfirmationsalter brachten den Nachbarn, den nächsten Verwandten und ganz besonders den Paten und Patinnen ihre Glückwünsche dar, als Gegengabe erhielten sie unterschiedliche Geschenke, meist ein Neujahrgebäck oder ein Geldstück. Der Umzug der Heiligen Drei Könige war fast im ganzen Land bereits im 19. Jahrhundert nicht mehr üblich.

Fasching

Der Fasching dauerte vom Montag nach dem Dreikönigstag, dem sogenannten „Geschworenen Montag“ bis zum Aschermittwoch. Faschingsbälle der Jugend, bei denen Altknecht und Altmagd streng über Zucht und Ordnung wachten, und Theateraufführungen waren eine willkommene Abwechslung im Dorfleben, zumal die Feldarbeit ruhte. Höhepunkt der Bälle war der von den Frauen vorbereitete Marienball am 2. Februar. Hochzeiten fanden statt, auch mehrere an einem Tag. Ein besonderes Ereignis war der „Blasi“ (St. Blasius, 3. Februar) für die Schulkinder. Ein heiß ersehnter Festtag, da in den Dörfern Siebenbürgens die Kinder mehr oder weniger von den meisten Festlichkeiten ausgeschlossen waren, darum wurde für sie ein eigener Kinderball organisiert, nur die Mütter durften dabei sein, denn sie kümmerten sich um das leibliche Wohl. Für die Musik sorgten die Adjuvanten, die meist Walzer und Polka spielten.

Auch die „Spinnstube“, in denen die Frauen in den Wintermonaten fleißig gearbeitet hatten, feierte Fasching. Wenn es mit dem Spinnen zu Ende ging, besuchten sich die Frauen der verschiedenen Spinnstuben in mancherlei Vermummung gegenseitig, wobei viel gesungen wurde. Das Ende der der Spinnstube, das stets in die Faschingszeit fiel, bildete das „Ausschenken“, dazu brachte jede Frau Esswaren und Getränke mit.

In die Faschingstage verlegten auch die Zünfte und Gesellenbruderschaften ihr „Ladenforttragen“, d. h. die Übergabe der Zunftlade, später auch Nachbarschafts- und Bruderschaftslade, an den neuen Gesellenvater. Dies war der Höhepunkt der Zunfttage. Die Mitglieder der Zünfte wurden durch das „Nachbarschaftszeichen“ von Haus zu Haus von der bevorstehenden Wahl verständigt. Wichtige Nachrichten wurden mit dem „Nachbarschaftszeichen“ weitergegeben. Jede Nachbarschaft hatte ihr eigenes Zeichen, meist aus Holz geschnitzt, graviert oder aus Messing gegossen und mit Inschriften oder Figuren versehen. So wurden Nachrichten, Anordnungen und Einladungen zu Versammlungen weitergereicht. Wer das Zeichen bekam, musste es so rasch wie möglich samt der mündlichen oder schriftlichen Nachricht dem nächsten Nachbarn weitergeben. In der Nachbarschaftslade wurden alle Schriftstücke und Wertgegenstände der Nachbarschaft sowie die Berichte, die an den Richttagen erstattet wurden, aufbewahrt. Der Verein der Siebenbürger Sachsen in Traun hält traditionsgemäß bis heute noch ihren „Richttag“ am Dreikönigstag ab. Jede Nachbarschaft musste eine Chronik führen, in der alle wichtigen Ereignisse festgehalten wurden, auch ein Verzeichnis der Nachbarväter und Nachbarmütter und deren Wirken in der Nachbarschaft während ihrer Amtszeit wurde in der Nachbarschaftslade hinterlegt. Am nächsten Tag erwartete sie der Zunftmeister in seinem Hause vor der geschlossenen Zunftlade, die nur geöffnet wurde, wenn alle Mitglieder anwesend waren. Dann erst begann, nachdem althergebrachte Sprüche und Redewendungen gebraucht worden waren, die Rechnungslegung, und es folgte die Wahl des neuen Zunftmeisters. Dem „Gesellenvater“ oblag die Betreuung der Gehilfen.

Die Zunftlade wurde dann eine Woche und die Bruderschaftslade zwei Wochen nach der Wahl „fortgetragen“. Das geschah unter Einhaltung althergebrachter Formen und in feierlichem Zuge. Die bei der Übergabe gehaltenen Reden hatten einen seit Jahrhunderten vorgeschriebenen Text, der erst um die Jahrhundertwende zum 20. Jhdt. einige Änderungen erfuhr. Während jedoch beim Forttragen der Zunftlade nur ein kleiner Kreis anwesend war, der aus den Mitgliedern, dem neuen und dem abtretenden sowie mehreren alten Zunftmeistern bestand, nahmen bei der Übergabe der Bruderschaftslade die genannten Gesellen, als „Urzeln“ verkleidet, teil.

Im zunftreichen Ort Agnetheln/Siebenbürgen (1900 zählte dort allein die Schusterzunft 225 Meister) war dies stets mit dem „Urzelnlauf“ verbunden. Auch in anderen Orten Siebenbürgens kannte man diese dunklen Zottelgestalten, so in Mergeln, Marpod und Großschenk. In Zied, Braller und anderen Gemeinden liefen die Urzeln schon Ende des vorigen Jahrhunderts als reine Faschingsmasken von Haus zu Haus. Anfang des 20. Jahrhunderts verselbstständigten sich die Urzeln auch im traditionsreichen Agnetheln zu Hauptpersonen des Festes, vordem waren sie „nur“ Begleiter und Beschützer der Zunftlade gewesen. Auf ein Beinkleid und eine kurze Jacke aus weißem, grobem Leinen sind reihenweise dunkle Stofflappen aufgenäht, und zwar so, dass sie nur am Schmalende befestigt sind. Schüttelt sich nun der Urzel, so geraten die Stofflappen in Bewegung und es entsteht der Eindruck eines Felles, dessen Haare sich sträuben. Um die Hüfte schnallt sich der Urzel einen breiten Ledergürtel, an dem hinten zwei große Kuhglocken hängen, mit denen ein ohrenbetäubendes Geläute vollführt wird. Auf dem Kopf sitzt, als Gesichtsbedeckung, eine schreckenerregende Larve. Nach hinten über den Kopf fällt ein Leinentuch, das, wie der ganze Anzug, mit Stofflappen besetzt ist. Auf dem Rücken baumelt ein langer Zopf aus Hanf. Eine mächtige Peitsche, deren Geknalle den Lärm der Kuhglocke zu übertönen versucht, sorgt für den dazugehörigen Lärm. So ausgerüstet, versammelten sich die Burschen des Ortes nach Zünften getrennt am Tage des Ladenforttragens schon frühzeitig beim Gesellenvater ihrer Zunft. Die Anordnung des Zuges, der die ganze Zeit über von den Urzeln im schnellen Lauf um streift und – ein bedeutsamer Hinweis auf den eigentlichen Sinn dieses Faschingsbrauches – gleichsam bewacht wird, war bei den einzelnen Zünften gleich. Begleitet wurden die Urzeln von zwei Engelchen, dargestellt durch zwei Kinder der Nachbarschaft.

Die Urzeln durften sich an diesem Tage alles erlauben. Sie fingen Mädchen ein, um sie zu küssen, oder neckten die Dorfbewohner. Sie trieben allerlei Schabernack. So zog sich das Treiben bis in den Abend, der dann im geselligen Beisammensein endete. Der Sinn des Lärmens und Tobens der Urzeln, das durch das Schellen der Kuhglocken und das Knallen der Peitschen sein besonderes Gepräge erhält, kann mit Sicherheit in alten heidnischen Bräuchen der Austreibung böser Wintergeister gesehen werden. Leichter zu erklären sind die Gestalten der weiß gekleideten und mit bunten Bändern geschmückten Zunfthauptleute und der „Engelchen“. Hier handelt es sich wohl um eine Versinnbildlichung der Frühlingsgottheiten, die von der Sehnsucht der Menschen nach der warmen, sonnigen Jahreszeit sprechen.

Dieser Brauch der Urzeln findet sich hauptsächlich in Agnetheln wieder, man nimmt an, dass der Brauch des Urzelnlaufens durch siebenbürgische Handwerksburschen aus Sachsen in  Deutschland eingeführt wurde, denn in einer Gemeinde in der Nähe von Dresden besteht ein ähnlicher Brauch. Eine Sage erzählt auch, dass bei einer Kirchenburgbelagerung in Siebenbürgen, als den Burginsassen die Lebensmittel zur Neige gingen, sich eine mutige Frau Namens Ursula zottelig verkleidet, peitschenschwingend und schellenrasselnd aus der belagerten Kirchenburg stürzte. Den Feind erschreckte sie dabei so, dass dieser das Weite suchte. Zu Ehren dieser Ursula (Ursel) erhielten die Urzeln so ihren Namen. Dieser Brauch erinnert aber auch an die „Huttler“ und „Zottler“ im Tiroler Raum. Der Ausdruck Huttler geht auf Hutten, Hudel, Hadern, Lappen, Lumpen und Fetzen zurück, dies sollte einen Menschen in zerfetzten Kleidungsstücken beschreiben. Jeder Huttler hat einen kleineren oder größeren Spiegel in seinem Kopfschmuck eingearbeitet, der die Aufgabe hat, den Dämonen des Winters ihre Hässlichkeit und Grausamkeit zu zeigen. So sollen die Dämonen des Winters durch ihre eigene Abschreckung vertrieben und dem Frühling soll Platz gemacht werden. Der Zottler, der berühmteste und wohl auch wildeste Vertreter der Huttlergruppe, vertritt den Winter. Seine rauen Bewegungen, seine grimmig schauende Larve, sein fester Schlag und seine dumpfen Laute kennzeichnen ihn als Vertreter der kalten Jahreszeit.

Das Vereinsleben der Siebenbürger Sachsen in Traun, als größter Siebenbürgischen Vereine in Oberösterreich, ist nach wie vor sehr der Tradition verpflichtet. Demnach finden hier die meisten Brauchtumsveranstaltungen statt, die bereits in der alten Heimat in Siebenbürgen gepflegt wurden. Dazu gehört auch der „Ochsenlauf“ am Faschingsdienstag. Zwölf Ochsen bzw. Burschen/Männer, mit weißen, buntgescheckten Kostümen und Pelzmützen werden vor den Pflug gespannt. Hexen, Schneeflocken, Schneemänner und Sämänner begleiten den Ochsenlauf, der unter der musikalischen Begleitung der „Lustigen Adjuvanten“ von Station zu Station zieht und der im lustigen Beisammensein aller Beteiligten den Fasching ausklingen lässt.

Ostern

Wenn der Fasching mit dem Aschermittwoch ausgeklungen ist, begann in Siebenbürgen die Fastenzeit, deren Regeln sehr genau bis Ostern eingehalten wurden. Es schloss sich die „stille“ Karwoche an, in der aller Lärm (neben Holzhacken vor allem das „Bleueln“, das Waschen mit dem Schlägel am Fluss) vermieden werden sollte. Ostern war wie zu Pfingsten und Weihnachten ein dreitägiges Fest mit je zwei Gottesdiensten an den zwei ersten und einem Frühgottesdienst am dritten Tag. Der erste Ostertag wurde eher still im engeren Kreis der Familie gefeiert, während es an den beiden anderen Tagen fröhlich, laut und gesellig zuging. Die Vorbereitungen dazu hatten freilich schon viel früher begonnen. Brauch war es in manchen Dörfern in der alten Heimat Siebenbürgen, dass am Nachmittag des Gründonnerstag die Konfirmation der Mädchen und Burschen mit einer großen Beteiligung der Gemeinde stattfand. Mancherorts war es üblich, dass am Palmsonntag die Konfirmation stattfand. Am Karfreitag, dem Tag des Leidens und Sterbens Christi, der höchste Feiertag der evangelischen Christen, ging die Gemeinde, einschließlich der frisch Konfirmierten, zum heiligen Abendmahl.  Es war für die ganze Gemeinde ein bedeutend großer Tag, besonders für die Familien, deren Mitglied konfirmiert wurde. Mit der Konfirmation übernahmen die jungen Leute einen Teil der Rechte und Pflichten der Erwachsenen. Es war zudem die Gelegenheit für die jungen Leute, das erste Mal das Abendmahl einzunehmen. Eine alte Sitte war und ist, dass man vorher alle Verwandten, Freunde, Eltern, besonders aber den Taufpaten danken und sie um Verzeihung bitten musste, um mit reinem Gewissen vor den Altar treten zu können. Es sind feststehende Worte, um Verzeihung zu bitten. Die Antwort darauf war immer „Du hast uns nicht gefehlt. Geh in Gottes Namen“. Bei der Konfirmation trugen die Mädchen erstmals den Borten im den langen, buntgestickten Bändern. Als Zeichen ihrer Jungfrauenschaft wurde er in Folge stets zu Kirchenbesuchen und Hochzeiten angelegt und erst nach der eigenen Trauung mit einem besonderen Zeremoniell abgenommen. Die Burschen, also die Konfirmanden, trugen das erste Mal den schweren Kirchenpelz. Mit der Konfirmation war die Aufnahme, das „Eingrüßen“, in Bruder- und Schwesterschaft verbunden, deren „Zugang“ kurz darauf stattfand, ebenso der neue Sitzplatz nach strenger Sitzordnung in der Kirche, die Teilnahme an allen Vergnügungen der Jugend sowie die Möglichkeit, Taufpate sein zu können. Nach dem Gelöbnis, als rechter Christ nach der Lehre Jesu Christi zu leben und zu sterben, wurde jeder Konfirmand einzeln eingesegnet und erhielt vom Pfarrer einen Spruch auf den Weg, der ihn durch sein ganzes Leben begleiten sollte.  Die Konfirmation wird kirchenrechtlich als Übertritt zum mündigen Kirchenmitglied gesehen, die persönliche Bestätigung der Taufe und damit das bewusste Ja zum christlichen Glauben und zur Kirchenzugehörigkeit. Es ist der Abschluss des kirchlichen Unterrichts mit einer Prüfung, der ein Unterricht vorangegangen ist , der Zulassung zum Abendmahl und der Eintritt ins kirchliche Erwachsenenleben, das Recht, Taufpate zu sein und sein Stimmrecht abzugeben und sich seiner Religionszugehörigkeit zu bekennen.

Und so war es auch einst eine Zeit voll Hektik und Arbeit, besonders die Frauen hatten viel zu tun mit Waschen, Putzen, Backen und Kochen, hieß es doch die Fastenzeit zu beenden. Eine der beliebtesten Tätigkeiten war das „Gelfen“ der Eier (mhd. gel=bunt, also färben).Die vielen, rotgefärbten Eier gehen dabei auf die Überlieferung zurück, dass die Hennen am Karfreitag aus Schmerz über den Tod Christi blutige Eier gelegt hätten. Zum Rotfärben der Eier verwendete die sächsische Bäuerin früher rote Späne, zum Grünfärben Küchenschelle und Zwiebelschalen zum Braunfärben, letzteres hat sich bis heute gehalten. Auch die „geschriebenen Eier“ waren Kunstwerke, das mancherorts ausgeführt wurde. Heißes Wachs auf gekochte Eier, anschließend wurde gefärbt und so wurden die geschriebenen Zeichnungen sichtbar. Mancherorts hatte eine Frau viele solcher Eier zu beschreiben, denn es war üblich, die nicht konfirmierten Patenkinder am 2. Ostertag nach dem Hauptgottesdienst mit einem Ei zu beschenken. Nicht ganz so einfach liest sich auch die Methode, wie man die Eier verzierte, eine ganz besondere Fertigkeit wurde dazu entwickelt: Die Frauen bastelten ihr Schreibwerkzeug selbst, indem sie dünnes Messingblech um eine Nähnadel zu einem sehr dünnen Röhrchen drehten. Durch dieses „Flitterchi“ zogen sie ein Pferdeschwanzhaar oder eine elastische Schweinsborste und befestigten das Röhrchen an einem dünnen Tannenholzstäbchen. Das abstehende Ende des Röhrchens wurde in heißes Wachs getaucht, wobei das Tierhaar ähnlich einer kleinen Pumpe das ständige Herausfließen von Wachs gewährleistete und schon konnte man schreiben.

Am Morgen des 2. Ostertages pflegten die Männer und Burschen einen lustigen Brauch, der sich bis heute gehalten hat und den die siebenbürgischen Tanzgruppen noch gerne in den eigenen Reihen aufrecht halten. Mit wohlriechenden Duftwässerchen ausgestattet wie Parfüms, Rosenwasser, Kölnisch Wasser und manch zusammengemixter Tinktur, ging bzw. geht es zu den Häusern mit Mädchen und sagt einen Spruch auf: „Wir haben gehört, ihr habt einen schönen Rosmarinbaum, wir wollen ihn gerne beschütten, er soll sich nicht betrüben, wie wollen ihn gerne begießen, er soll sich nicht verdrießen, dürfen wir euer Mädchen beschütten?“. Als Antwort sagt die Mutter oder Tante des Mädchens, dass die Burschen das oder die Mädchen begießen dürfen, damit es schön wächst. Dann bekommt jeder Bursche ein Osterei und etwas Gebäck, das Mädchen aber heftet gerne jedem „Beschidder“ (sächs. Dialekt = Beschütter) ein Blumensträußchen an die Brust oder an den Hut. Auch die erwachsenen Männer lassen sich damals wie heute diesen Brauch nicht entgehen, sie bekommen ein Gläschen Schnaps oder Wein - für nicht wenige der „Beschidder“ somit ein anstrengender Tag, sollten sie viele Mädchen und Frauen „beschütten“. Am Abend fand meist in den Dörfern Siebenbürgens der Osterball der Jugend statt, auf dem sich bis in den Morgen Jung und Alt vergnügten.  Das „Bespritzen“ mit Wasser geht auf die Kraft des Wassers zurück und hat eine symbolische Bedeutung. Neben dem Feuer spielt es im Brauchtum des Jahres seit frühesten Zeiten eine große Rolle. Es hat reinigende Kraft und sollte auch das Wachstum und die Fruchtbarkeit fördern: auf diese Symbolsprache gehen ja die meisten der an die Frühjahreszeit gebundenen Volksbräuche zurück. Früher nahm man daher nur Wasser. Die Sitte mit Duftwässerchen trägt natürlich zur Heiterkeit bei, eine Mischung an verschiedenen, gemixten Düften geht auf die „Beschüttete“ über, aber so bleibt dieser Brauch lebendig, wo immer sich Landsleute zusammenfinden – und sei es nur in der Familie, in den Tanzgruppen oder im Bekanntenkreis.

Pfingsten und Frühsommer

Der 1. Mai wurde nicht als „Tag der Arbeit“, sondern als Beginn des Wonnemonats, in der die Natur ihre ganze Pracht entfaltet, gefeiert. Die „Adjuvanten“ (Musikkapelle) spielten die passenden Melodien für diesen Tag. Die Bauern reinigten die Feldbrunnen und reparierten die Pferche auf den Weiden. Der Viehtrieb auf die Weiden begann. Das Bauernjahr hatte im Grunde weder Anfang noch Ende, höchstens Hoch-Zeiten an Arbeit, die im Frühjahr mit den ersten wärmeren Sonnenstrahlen auch in der alten Heimat Siebenbürgen begann. Ab Mai, aber auch oft auch schon ab 24. April (Georgentag) erfolgte der Frühlingsaustrieb der Herden. Es muss wohl ein großartiger Anblick gewesen sein, wenn in aller Früh die Herden in einer ganz bestimmten Reihenfolge auf die gemeindeeigene Hutweide ausgetrieben wurden und am Abend heimkehrten. Den Anfang machten die Pferde und Fohlen, dann folgten die Ochsen, Kühe, Büffel, Schweine und das Jungvieh. Die Schafe blieben im Sommer ständig im Freien in der Obhut eines Hirten und wurden nur zur Winterszeit in das Dorf gebracht. Wer eine Reise nach Siebenbürgen unternimmt, kann heute in den Dörfern Siebenbürgens das Spektakel miterleben, wenn das Vieh abends heimkommt. Natürlich sind es nicht mehr große Herden, aber ein Schauspiel ist es allemal. Vor allem ist erstaunlich, mit welcher Sicherheit das Vieh seinen Hof findet und dann dort schon beim offenen Tor erwartet wird.

So lockerten Feste das tägliche Ritual der Arbeiten auf. Das große Sommerschulfest rückte näher, dieses Fest fand immer an einem schönen Maitag statt. Den Erzählungen nach hatte ein „wetterkundiger“ Lehrer die Aufgabe, bei Tagesanbruch festzustellen, ob schönes oder schlechtes Wetter bevorstand, im ersteren Fall gab er grünes Licht für das Schulfest, an dem die Kindergärten und Schulklassen beteiligt waren. Das Fest begann mit einem Umzug, mancherorts begleitet von einer Trommlergruppe. Die Mädchen trugen Blumenkränze und die Buben Fähnchen, jede Klasse hatte eine eigene Farbe. Sportwettkämpfe wurden ausgetragen, und für das leibliche Wohl war bestens gesorgt.

Auch Pfingsten wurde unterschiedlich gefeiert. In einigen Gemeinden Siebenbürgens waren Pfingstkönigsfeste bekannt, oder man feierte am Pfingstmontag das Fest der Pfingstkönigin, dem am Sonntag zuvor eine Wahl voranging. Diese Feste geraten zunehmend in Vergessenheit.

Eines der schönsten bäuerlichen, ausschließlich von der Jugend gestalteten Feste in vielen Dörfern Siebenbürgens – besonders im „Alten Land“ (Gebiet zwischen Kokel und Alt) – war und ist das Kronenfest zu Johannis oder zu Peter und Paul am 29. Juni. Es fällt in die Zeit der Ernteerwartung und -vorbereitung, denn am Johannistag wurden auch die „Gründe aufgetan“, d. h., die Wiesen zum gemeinschaftlichen Mähen wurden freigegeben. So wie die Trachtenlandschaft der Siebenbürger Sachsen einzigartig ist, ist auch die Ausrichtung des Kronenbaumes und des Kronenfestes von Dorf zu Dorf verschieden, doch stand überall der Kronenbaum im Mittelpunkt des Geschehens. Hier in Oberösterreich halten vor allem der Verein der Siebenbürger Sachsen in Wels und der Verein der Siebenbürger Sachsen in Traun diesen Brauch aufrecht. Sie pflegen mit Hingabe diese Tradition, so ist auch das Fortbestehen dieses schönen Festes, bei dem in beiden Vereinen die Kinder, Jugend und Tanzgruppen eingebunden sind, gewährleistet. 

Die eigentlichen Veranstalter des Kronenfestes in der alten Heimat Siebenbürgen waren die „Mägde“, also die Schwesternschaft. Zwar halfen die „Knechte“ (Burschen) bei den Vorbereitungen mit, doch nur dort, wo männliche Kraft gefordert war. Einen Tag vor dem Fest brachten die Burschen einen schönen geraden Baumstamm aus dem Wald, oft bis 14 Meter hoch. Sie schälten die Rinde ab, damit der Stamm möglichst glatt wurde. Die Mädchen ihrerseits sammelten Wintergrün und Blumen in allen Farben. Dafür wurden Margeriten und Wiesenblumen sowie grünes Laub in großen Mengen herbeigeholt – galt es doch als Stolz jeder Gemeinde möglichst das größte Blumengebinde vorzuweisen. Das Gerüst der meist kugelförmigen Krone bestand aus acht Bauchreifen von 100-Eimer-Fässern (= 1 000 Liter). Diese wurden senkrecht und waagrecht über- und ineinandergelegt und an den Berührungspunkten miteinander verschnürt. Schließlich glich dieses Gerüst der oberen Hälfte eines Globus, wobei die Reifen Längen- und Breitengrade andeuteten.

Schon am frühen Morgen begannen die Mädchen und jungen Frauen, das Wintergrün und die Blumen in Form von Sträußen – der Reihe nach fortlaufend – an das Gerüst zu binden, während die Burschen inzwischen eine tiefe Grube aushoben, in die dann der Kronenbaum mit der zentnerschweren Krone an der Spitze aufgepflanzt wurde. Nach dem Gottesdienst und anschließendem häuslichem Mittagessen versammelte sich die gesamte Gemeinde am Kronenbaum. Viel Kurzweil bot das Erklettern des Stammes. Einer der Burschen hatte bis zur Krone zu steigen, wo es mancherorts einen Geschenkkorb zu ergattern gab, der vorher mit einer festen Rolle hochgehievt worden war. Diesen Wettbewerb trugen die Burschen unter sich aus. Wem es gelang, die Krone zu erreichen, dem gehörte der Korb mit den Geschenken. Allerdings musste er von dort oben eine wohlgesetzte Rede halten. Im Korb warteten Käse und Schnaps für den Sieger und Süßigkeiten, die er den Kindern hinunterwarf. In manchen Orten war es auch üblich, dass ein Mädchen der Schwesternschaft (Altmagd) dem Sieger einen Blumenkranz um den Hals legte. Die Musik begann zu spielen, und die Altmagd forderte den Altknecht zum Tanz auf. Dieser erste Tanz gehörte nur den beiden, und die Jugend ringsum klatschte dazu. Anschließend war gemeinsamer Tanz unter der Krone, und meist dauerte das Kronenfest bis in die Nacht hinein. 
Der Jungaltknecht der Siebenbürger Volkstanzgruppe Wels z. B. eröffnet mit seiner Kronenpredigt nach alter Überlieferung vom Kronenbaum das Fest mit nachstehenden Sprüchen:

Jungaltknecht (vom Kronenbaum)

Ich grüße euch herzlich besonders heut,
ob Klein, ob Groß, ihr lieben Leut,
von dieser Krone hohem Stand,
den ich im Klettern nur schwer überwand.

Hab diesen Platz nun in Ehren erklommen
und heiße euch alle recht herzlich willkommen.
Nach so viel Arbeit und ehrlichem Fleiß
gebührt einem jeden ein kleiner Preis.

Drum feiern wir dem Jahreslauf folgend die Feste,
zum Peter- und Pauls-Tag heute das Beste.
Es soll wohl jeder in seinem Leben
vom Guten dem Nächsten das Beste geben

und beistehen zu aller Zeit,
in Freuden und in Traurigkeit.
Drum sei uns Peter- und Pauls-Tag ein Tag,
wo jedermann sich freuen mag.

Denn Liebe, Frohsinn, Heiterkeit
erspart viel Widerwärtigkeit.
Wir gedenken dieses Festes heut,
das jedermann so sehr erfreut,

wo von den Feldern und aus den Gärten
sich bunte Blumen lieblich färben
und Frauen und Mädchen, Gott zum Lobe,
gebunden diese Ehrenkrone,

die unsern Lebenslauf beschreibt,
gleich dem Schicksal, das unser Leben treibt.
Die Sorgen des Alltags sind heut überwunden,
seh’n wir die Krone so bunt gebunden.

Obwohl ihre Pracht auch dem Tode geweiht,
so weist sie uns hin auf die Ewigkeit.
Sie will von der Krone des Lebens uns sagen,
die jeder, der ehrlich lebt, einstmals wird tragen.

VIVAT!

Altknecht (vom Boden):

Mit Mühe und Sorgen und Freuden zugleich
strebt man nach mehr und dem Himmelreich.
So meistert jeder sein eigen Geschick
mit Gottesvertrauen: auf Unglück folgt Glück.

Wie wohl wir uns fühlen, hier alle beisammen,
denken wir stolz an den Geist unsrer Ahnen,
ihre Liebe zur Heimat, zu Brauchtum und Sitten,
stolz auf die Herkunft und Leistung und Sippen.

Drum danken wir wieder dem Herrn der Welt,
der uns alle einträchtig zusammenhält.
Unter seinem Schutze sind wir geborgen,
erfreu'n uns am Heute, am Gestern und Morgen.

Dem Vorstand, den Helfern, den jungen wie alten,
herzlichen Dank für dies Festgestalten.
Hier strahlt noch guter siebenbürgischer Geist,
der uns auch in Wels gute Wege weist.

VIVAT!

Jungaltknecht (vom Kronenbaum):

Wie grünt und gedeiht das weite Feld,
ganz und gar meisterlich bestellt.
Auch der Mensch sei Mensch und nicht gleich brummen,
denn was bestimmt ist, wird sowieso kommen.

Begnüge sich jeder, wie’s vom Schicksal beschert,
und frage sich lieber, ob er solches auch wert.
Mutter Natur hat für jeden den Tisch gedeckt,
genieße ein jeder, was ihm schmeckt;

von allem ein wenig, ob gefällig, ob nicht,
es wurde nach bestem Rezept gericht’.
So geht alles vorüber im irdischen Leben;
als Bestes erhalte mir Gott die Reben!

Doch geht besorgt um mit dem Wein,
schaut nicht zu tief ins Glas hinein,
denn das kann schlechte Stimmung geben,
mit Vivat sollt ihr lange leben.

VIVAT!

Ihr werten Gäste von weit und breit,
mich freut es ganz besonders heut,
dass ihr so zahlreich seid gekommen
und meine Predigt habt vernommen.

Fühlt euch nun wohl bei uns zu Gast,
sitzt unten besser als ich auf dem Ast;
doch dies kann nimmer mich verdrießen,
denn solches darf nur ich jetzt genießen.

Übers Jahr kommt wieder, wir laden euch ein
zu knusprigem Striezel und gutem Wein.

VIVAT!

Ihr hübschen Mädchen, zum Predigtende
leg ich mein Schicksal in eure Hände.
Empfangt es von hier oben ohne Verdruss
und lohnt meine Mühe mit einem Kuss!

Wo habt ihr die schönen Blumen gefunden,
mit denen die Krone so zierlich gebunden?
Wie fühl ich mich wohl in der Blumen Düfte,
doch weiter nach oben steigt mein Gelüste.

Habt ihr, liebe Mädel, mir etwas geschenkt
und solches ganz neckisch noch höher gehängt?
Einen Striezel vielleicht? Eine Flasche Wein?
Es wird wohl keines von beiden sein!

Nun, was es auch sei, es ist mir ganz gleich,
ich steig jetzt herab aus diesem Königreich.
Bleibt alle gesund, lebt in Frieden beisammen!
So schließ ich auch diesmal. In Gottes Namen!

AMEN!

Auch für die Kinder, die rund um den Kronenbaum stehen und auf Süßigkeiten warten, gibt es einen Spruch:

Ihr lieben Kinder von nah und fern,
euch hab ich ganz besonders gern,
auch dies Jahr will ich an euch denken
und euch von hier oben ein wenig beschenken.
Hebt eure Hände und füllt eure Taschen,
denn es gibt wieder Feiteln und etwas Süßes zum Naschen!

Sommer

Im Laufe des Sommers stand dann die Feldarbeit im Mittelpunkt des bäuerlichen Lebens. Da blieb kaum Zeit für fröhliche, ausgelassene Feste. In den Herbst fiel meist auch das Kirchweihfest. Es war ein Familienfest, dem ein Festgottesdienst voranging. In manchen Gegenden in Siebenbürgen, wo das Kirchweihfest auf den zweiten Sonntag im November fiel, wurde nach dem Mittagessen erstmals der junge Wein (Sturm) probiert. Das Kirchweihfest ist auch heute noch in einigen siebenbürgischen Vereinen Oberösterreichs ein fixer Bestandteil im Jahreslauf.

In Siebenbürgen wurde der Namenstag, nicht der Geburtstag gefeiert. Auch waren es nur ganz bestimmte Tage, abhängig von den im Dorf häufig vorkommenden Namen wie Michael, Johann, Martin, Georg, Simon, Peter, Stefan und Samuel oder Anna, Maria, Katharina, Sofia und Susanna.

Herbst

Nach dem Reformationsfest am 31. Oktober wurde gewöhnlich, wenn auch nicht in allen Gemeinden, am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres das Erntedankfest gefeiert. Bis dahin sollte möglichst die gesamte Ernte eingebracht worden sein.

Auch in Siebenbürgen hieß es „Kathrein sperrt den Tanz (die Geigen) ein“ – und dies galt bis Weihnachten.

Um Martini herum begann das Spinnen in der Spinnstube, wobei sich die Frauen (in einzelnen Gruppen aus den jeweiligen Gassen) jeden Abend in einem anderen Haus in der entsprechenden Straße (Gasse) einfanden. Die Spinnstube war in der kalten, dunklen Jahreszeit eine gern besuchte Einrichtung, die das Zusammenleben und die Kommunikation förderte. Unter Erzählen, Scherzen und Singen verging angenehm die Zeit. Auch die konfirmierte Jugend traf sich abwechselnd bei einem Mädchen in der Spinnstube, aber nur bis 21.00 Uhr, und hier verkürzte man sich ebenfalls die Zeit mit Erzählen von Geschichten und Spielen. Fiel einem Mädchen die Spindel hinunter und gelang es einem Burschen, dieselbe aufzuheben, so bekam er als Ablöse einen Kuss, dabei sagte das Mädchen scherzhaft – so wurde jedenfalls erzählt –: „Ein Küsschen in Ehren darf man nicht verwehren.“

Am Vorabend des Katharinentages (25. November) kamen die Mädchen zu einer geschlossenen Unterhaltung – ohne Burschen – zusammen, wo geschmaust und getanzt wurde. Die Burschen, die vor dem Fenster aber Lieder sangen, bekamen zum Fenster heraus Krapfen und anderes Gebäck gereicht.

Weihnachten

Weihnachten – das Fest aller Feste – was galt es nicht alles vorzubereiten? Nicht nur die Erwachsenen bereiteten sich auf das Ereignis vor, sondern auch bei den Kindern begannen die Vorbereitungen für das Weihnachtsprogramm in der Kirche. Blasmusik und Chor intensivierten ihre Musikproben, und die spielbegeisterte Jugend probte für die Theateraufführung zu Weihnachten.

Ein besonderer Weihnachtsbrauch in Siebenbürgen war der „Christleuchter “: Der Christleuchter ist weder ein Vorläufer noch ein Ersatz des Christbaumes, der erst um 1830 durch einen eingewanderten Dänen in Kronstadt/Siebenbürgen erstmals bezeugt ist und sich in der Kirche nur langsam durchsetzte, sondern es handelt sich dabei um einen eigenständigen Brauch, bei dem die Kinder in die Geburt Christi einbezogen werden, indem sie den Sohn Gottes im Gesang loben und preisen. In siebenbürgisch-sächsischer Mundart „Lichtert“ oder „Lichterchi“ genannt, wurde der Leuchter in den verschiedenen Gegenden und Ortschaften Siebenbürgens unterschiedlich angefertigt. Das Grundgerüst bestand aus einem Holzgestell mit einem Aufsatz in Kronen- oder Pyramidenform und wurde mit Wintergrün umwickelt und mit Papierblumen, Stroh- und Hagebuttenketten verziert sowie mit Keksen, Nüssen und Äpfeln geschmückt und mit Kerzen besteckt. Oder der Lichtert war über und über mit vielen bunten Papier- und Seidenblumen und zwölf großen Kerzen besteckt und mit einer Friedenstaube gekrönt. Während des Jahres wurden die Lichtertgestelle dann in der Sakristei verwahrt.

Wenn am Christsonnabend (Heiligen Abend) zur Vesper geläutet wurde, wurden die Leuchter von den gesamten Schulklassen in die Kirche getragen und vor dem Altar, der Empore sowie den anderen dafür vorgesehenen Plätzen aufgestellt (überall mindestens 4, in manchen Gemeinden auch 6 oder 8 Leuchter!) Das Singen unter dem Christleuchter erfolgte in der Frühkirche des ersten Christtages (25. Dezember) um 6.00 Uhr früh! (Mancherorts sogar noch früher.) An diesem Tag war die Frühkirche immer besonders gut besucht. Nach der Liturgie begann der Wechselgesang der Gruppen. Die Knaben und Mädchen sangen abwechselnd mit der Gemeinde den auf langer Tradition beruhenden Wechselgesang, der auf dem lateinischem „Quem pastores laudavere“ aus dem 9. Jahrhundert beruht (daher auch der Ausdruck „Quempas-Singen“). Meist wurden die Verse von „Dies ist der Tag, den Gott gemacht“ abwechselnd gesungen. Zum Schluss sangen alle gemeinsam mit Orgelbegleitung. Die Schulkinder wurden dann von der Lehrerschaft mit Blei- oder Farbstiften, Radiergummis und ein paar Keksen beschenkt. Beim Verlassen der Kirche durfte jedes Kind für sich auch noch eine Kerze am großen Christbaum anzünden, um den Heimweg zu erhellen.

Und so schließt der Kreis mit dem Weihnachtsfest, das Jahr neigt sich dem Ende zu.

Michael Wolf-Windau, geboren am 5. November 1911, schrieb 1943 diese Zeilen:

Altjahrsnacht

„Noch einmal kommst du durch die Tür
mit Freuden mich zu grüßen,
noch einmal sitzt du nah bei mir,
eh sich das Jahr will schließen.

Noch einmal neigen zum Gebet
das Haupt wir auf die Hände,
und still im Frieden Gottes geht
das alte Jahr zu Ende.“

 

Quellen:

  • DDr. Adolf Schullerus, Siebenbürgisch- sächsische Volkskunde im Umriß, Leibzig 1926
  • Georg Schuster, Marpoder Heimatbuch, München 1999
  • Rosi Breckner, Dunesdorfer Bräuche
  • Ortrun Scola und Rotraut Acker-Sutter, Dorfleben der Siebenbürger Sachsen
  • Dr. Jost Linkner, Heimatbuch Niederwallendorf in Nordsiebenbürgen
  • Volker Petri, Österreich – Deine Siebenbürger Sachsen
  • Dr. Christian Schuster, Obmann Verein der Siebenbürger Wels
  • Heimatbuch der Gemeinde Tschippendorf/Nordsiebenbürgen
  • DI Franz Peter Seiler, Obmann Nachbarschaft Rosenau
  • Heimat verloren – Heimat gefunden (Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland)
  • www.siebenbuerger-traun.com