Frauenarbeit und Brauchtumspflege

Auf der Seite des Referates für Frauenarbeit und Brauchtumspflege finden Sie alle bisher erschienen Ausgaben von "De Teofalt" sowie weitere interessante Informationen über das Referat.

 DeTeofalt Icon

Hier können Sie die verschiedenen Ausgaben von De Teofalt als PDF-Datei heruntenladen.*

Ausgaben 2014


 DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt -  Folge 1/2014

Ausgaben 2013


 DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt -  Folge 2/2013

 DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt -  Folge 1/2013

 Ausgaben 2012


 DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt -  Folge 1/2012

  

Ausgaben 2011


DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt -  Folge 2/2011

DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt -  Folge 1/2011

  

Ausgaben 2010


DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt -  Folge 2/2010

DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt -  Folge 1/2010

Ausgaben 2009


DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt  - Folge 3/2009

DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt  - Folge 2/2009

DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt - Folge 1/2009

  

Ausgaben 2008


 DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt - Folge 1/2008

 

Ausgaben 2007


DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt - Folge 4/2007

DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt - Folge 3/2007

DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt - Folge 2/2007

 DeTeofalt Icon downloadDe Teofalt - Folge 1/2007


  *Damit Sie die Datei öffnen können benötigen Sie den Adobe Reader.

 


 

Die Siebenbürger Sachsen, die Frauentrachten und die Kopfbedeckungen

Erschienen in der Goldhaubenzeitung OÖ, 2015

Die Siebenbürger Sachsen, im 12. Jahrhundert aus dem deutschen Sprachraum – vorwiegend zwischen Mosel und Rhein – in das Karpatenhochland ausgewandert, haben ihre Tracht durch Jahrhunderte bewahrt. Neue Elemente kamen hinzu und vervollständigten ein prächtiges Trachtenbild, das bis heute einzigartig ist. Das ausgeprägte Gemeinschafts- und Traditionsbewusstsein der Siebenbürger Sachsen kommt gerade hier besonders zur Geltung.

Ein festlicher Anlass, z.B. Konfirmation, Dorffest, Kronenfest zu Peter und Paul oder Hochzeit, ohne das Tragen der Tracht war undenkbar.

Auch nach nunmehr 70 Jahren, als die Siebenbürger Sachsen in den Wirren des 2. Weltkrieges ihre Heimat verlassen mussten und hier in Oberösterreich eine neue Heimat fanden, pflegen die Nachkommen das Brauchtum ihrer Vorfahren mit Hingabe und sehen darin die Aufgabe, das Erbe ihrer Ahnen zu bewahren, zu pflegen und weiterzugeben.

Durch die Tracht unterschied sich die siebenbürgisch-sächsische Dorfgemeinschaft nach Stand und Alter, indem sie die von der Tradition vorgeschriebenen „Erkennungszeichen“ streng einhielt. Die verheiratete Frau war anders gekleidet als ein Mädchen und eine ältere Frau anders als eine jüngere. Das wurde durch die Farbe des Gewandes und des Aufputzes kenntlich gemacht, jedoch am deutlichsten durch die verschiedenartigen Kopfbedeckungen.

Die kleinen Mädchen - und auf den Dörfern auch die Schulmädchen - trugen das rüschenbesetzte Häubchen. Die konfirmierten Mädchen banden ein Haarband um und setzten zum Kirchgang den Borten auf. Die Frauen mussten das Haar ganz bedecken, entweder mit einem Häubchen oder Tuch und zum Kirchgang mit einem kunstvoll um das Haupt gelegten Schleiertuch, oder einem weißen Knüpftuch aus Leinen.

Kopfbedeckung2015Frauenreferat1    Kopfbedeckung2015Frauenreferat2   Kopfbedeckung2015Frauenreferat3

Der schwarze Samtborten, den die konfirmierten Mädchen bis zur Hochzeit zur Kirche trugen, entwickelte sich aus dem Haarband (mdh „borte“), das junge Mädchen im Mittelalter in deutschen Gebieten schmückte. Der „Borten“ gehörte zur Kirchentracht der konfirmierten Mädchen und wurde am Hochzeitstag zum letzten Mal getragen. Er besteht aus einer schwarzen Samtröhre, ist in den einzelnen Trachtengegenden Siebenbürgens verschieden hoch und breit (ca. 15 cm hoch, Durchmesser 17 bis 20 cm). Hinten ist der Borten nicht ganz geschlossen. Diese Öffnung, das sogenannte „Türchen“, wird von den zwei Bortenbändern bedeckt, die über den Rücken bis zum Rocksaum herabfallen. Die Bortenbänder waren je nach Dorf verschieden lang.

Die gewöhnliche Kopfbedeckung der verheirateten Frauen in Nordsiebenbürgen war das Samthäubchen, welches nur den Hinterkopf bedeckte. Das mit Seidenstickerei verzierte Häubchen der ganz jungen Frauen zeigt rosa und rote Stickerei, das der älteren Frauen gelb, lila und blau gestickte Blumen. Weiße Perlen zierten zusätzlich das Häubchen.

Eine weitere Form der Kopfbedeckung war die sonntägliche Schleierung der verheirateten Frau, „Schleggern“ genannt. Diese Technik reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück (Gotik) und ist mit flämischen Frauenbildnissen des 15. Jahrhunderts vergleichbar. Dazu verwendete man ein durchscheinendes Schleiertuch mit eingewebtem Blumenmuster. Je älter die Frau, umso fester das Gewebe des Schleiers. In der Fastenzeit, ebenso zur Trauer, schleggerte man aber auch die jüngeren Frauen mit einem steif gestärkten Tuch aus weißem Leinen.

In manchen Dörfern nannte man die Umhüllung des Kopfes und Umrahmung des Gesichtes mit einem weißen Schleiertuch, die „Bockelung“. Auch diese war mannigfaltig, da jedes Dorf eine eigene Form entwickelte. Schon für das 11. Jahrhundert ist belegt, dass in Westeuropa die Frau einen weißen Schleier trug, der nicht nur das Haar, sondern auch Stirn, Wangen, Kinn und Hals verhüllte.

Zeitaufwendige Tätigkeiten, die viel Zeit in Anspruch nahmen, geübte Hände forderten und alleine nicht durchgeführt werden konnten.

Die Gebräuche der Kopfbedeckung haben sich geändert, sind lockerer geworden. Es gibt kein „muss“ mehr, dennoch sollten sie nicht verloren gehen. Gottseidank gibt es in den siebenbürgischen Vereinen Frauen, die diese Tradition bewahren und sich die Mühe machen, bei Umzügen und dergleichen festlichen Anlässen auf diese Art der Kopfbedeckung zurück greifen und somit der Siebenbürgischen Tracht noch mehr Glanz geben.

Quelle: Die Festtracht der Siebenbürger Sachsen